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Lesen fördern bei Kindern: Warum Lesen schlau macht – Tipps

Lesen fördern bei Kindern: Was IGLU & Vorlesestudie zeigen, warum Papier hilft, was Handschrift bringt – plus Tipps nach Alter und Büchereien im Saarland.

Von Benjamin Schmitt · 16. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Viele Eltern spüren es im Alltag: Wer gut liest, kommt in der Schule leichter mit – in Deutsch, aber genauso in Mathe, Sachunterricht oder Geschichte. Gleichzeitig zeigen die großen Schulleistungsstudien, dass immer mehr Kinder in Deutschland am Ende der Grundschule nicht sicher lesen können. Dieser Ratgeber erklärt, was die aktuellen Befunde sagen, warum Lesen tatsächlich „schlau macht“ und wie Sie das Lesen fördern können – bei Kindern jeden Alters, ganz praktisch zu Hause und mit Angeboten vor Ort im Saarland. Außerdem geht es um eine Frage, die viele Familien beschäftigt: Braucht mein Kind heute noch eine verbundene Schreibschrift?

Was aktuelle Studien über das Lesen sagen

Die internationale Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU 2021 hat die Lesekompetenz von Viertklässlerinnen und Viertklässlern gemessen. Das Ergebnis für Deutschland ist ernüchternd:

  • Rund ein Viertel der Kinder (25,4 Prozent) erreicht nicht die Kompetenzstufe III. Diese Stufe gilt als nötig, um vom „Lesen lernen“ zum „Lesen, um zu lernen“ überzugehen. 2001 lag dieser Anteil noch bei 17 Prozent, 2016 bei 19 Prozent.
  • Der Mittelwert sank von 539 Punkten (2001) über 537 (2016) auf 524 Punkte (2021).
  • Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leseleistung ist seit 20 Jahren nahezu unverändert groß.

Der nationale IQB-Bildungstrend 2021, der die Bildungsstandards in der vierten Klasse überprüft, kommt zu einem ähnlichen Bild: Gut 18 Prozent der Viertklässler verfehlen im Lesen den Mindeststandard der Kultusministerkonferenz, und der Rückgang gegenüber 2016 entspricht etwa einem Drittel Schuljahr. Inzwischen läuft eine neue IGLU-Runde; deren Ergebnisse stehen noch aus.

Auch zu Hause hat sich wenig verbessert. Der Vorlesemonitor 2024 der Stiftung Lesen (Befragung von 815 Eltern mit Kindern von 1 bis 8 Jahren) zeigt: 32 Prozent der Kinder wird selten oder nie vorgelesen, 18 Prozent sogar nie. Besonders selten wird vor dem Kindergarten und rund um den Schulstart vorgelesen – also genau dann, wenn es besonders wertvoll wäre. 29 Prozent der Familien besitzen weniger als zehn Kinderbücher.

Warum Lesen schlau macht – und den Schulerfolg prägt

Lesen ist keine Spezialfähigkeit für das Fach Deutsch, sondern das Werkzeug, mit dem Kinder fast alles andere lernen. Textaufgaben in Mathe, Arbeitsaufträge, Sachtexte, später Quellen in Geschichte oder Fachtexte in Biologie: Wer beim Entziffern von Wörtern noch viel Kraft verbraucht, hat weniger Aufmerksamkeit für den Inhalt übrig.

Die IGLU-Daten zeigen zudem, wie eng Lesen und Bildungswege zusammenhängen – und wie ungleich: Für eine Gymnasialempfehlung brauchten Kinder aus Familien mit un- oder angelernten Berufen im Schnitt 575 Lesepunkte, Kinder aus Familien der oberen Berufsgruppen nur 510 Punkte. Gute Lesekompetenz kann diese Ungleichheit nicht aufheben, aber sie ist eine der wichtigsten Stellschrauben, die Familien selbst in der Hand haben.

Aus pädagogischer Sicht macht Lesen auf mehreren Ebenen „schlau“:

  • Wortschatz: Geschriebene Texte enthalten mehr und seltenere Wörter als die Alltagssprache. Wer viel liest oder vorgelesen bekommt, begegnet ihnen häufiger.
  • Wissen: Bücher und Sachtexte bringen Welten ins Kinderzimmer, die man sonst nicht kennenlernen würde – und Vorwissen erleichtert wiederum das Verstehen neuer Texte.
  • Konzentration und Ausdauer: Einer längeren Geschichte zu folgen, trainiert, bei einer Sache zu bleiben.
  • Schreiben: Wer viele gut formulierte Sätze gelesen hat, schreibt meist selbst sicherer.

Lesen fördern bei Kindern: Vorlesen und Lautlesen

Vorlesen – auch dann noch, wenn das Kind selbst lesen kann

Vorlesen ist der einfachste Einstieg in die Leseförderung. Der Vorlesemonitor zeigt einen bemerkenswerten Kreislauf: 74 Prozent der Eltern, denen selbst vorgelesen wurde, lesen ihren Kindern mindestens mehrmals pro Woche vor – unabhängig vom eigenen Bildungsabschluss. Eltern, die regelmäßig vorlesen, können außerdem die Lesefähigkeiten ihres Kindes deutlich besser einschätzen. Als Hindernisse nennen Eltern vor allem Stress, Zeitmangel und Kinder, die unruhig sind oder lieber etwas anderes machen. Hier hilft es, klein zu denken: Zehn Minuten vor dem Schlafen sind wertvoller als ein großer Vorsatz, der im Alltag untergeht.

Lautlesen und Leseflüssigkeit

Ein häufig unterschätzter Baustein ist die Leseflüssigkeit: genau, ausreichend schnell und mit passender Betonung lesen. Erst wenn das Erlesen von Wörtern weitgehend automatisch läuft, wird der Kopf frei für das Verstehen. Gut belegt ist, dass angeleitetes, wiederholtes lautes Lesen – also denselben kurzen Text mehrmals vorlesen, mit Rückmeldung eines geübten Lesers – die Leseflüssigkeit und auch das Textverständnis verbessert. Das hat bereits das US-amerikanische National Reading Panel in seiner Auswertung der Forschung festgehalten.

Für zu Hause heißt das:

  • Kurze Texte wählen, die etwas unter dem „Schwierigkeits-Limit“ liegen.
  • Abwechselnd lesen: Sie lesen einen Absatz vor, Ihr Kind liest denselben Absatz danach.
  • Einen Lieblingstext ruhig drei- oder viermal lesen lassen – Wiederholung ist hier kein Rückschritt, sondern Training.
  • Bei Fehlern nicht sofort unterbrechen, sondern am Satzende freundlich korrigieren.

Bildschirm oder Papier – macht das einen Unterschied?

E-Reader, Tablets und Lern-Apps gehören für viele Kinder längst dazu. Was das Verstehen angeht, liefert die Forschung einen recht klaren Befund. Eine vielzitierte Metaanalyse von Delgado und Kollegen (2018) hat 54 Studien mit insgesamt über 171.000 Teilnehmenden ausgewertet. Ergebnis: Texte auf Papier wurden im Schnitt etwas besser verstanden als dieselben Texte am Bildschirm. Der Effekt ist klein, aber stabil – und er hat zwischen 2000 und 2017 eher zugenommen.

Zwei Details sind für Eltern besonders interessant:

  • Der Vorteil von Papier zeigte sich bei Sach- und Informationstexten, nicht aber bei rein erzählenden Texten.
  • Er war größer, wenn unter Zeitdruck gelesen wurde. Am Bildschirm neigen wir offenbar eher zum schnellen Überfliegen.

Das heißt nicht, dass digitales Lesen schadet. Eine Geschichte auf dem E-Reader ist besser als gar keine Geschichte, und die Onleihe macht viele Bücher kostenlos zugänglich. Für das Lernen mit Sachtexten – etwa für einen Test oder ein Referat – lohnt es sich aber, Texte auszudrucken oder das Schulbuch zu nutzen und sich bewusst Zeit zu nehmen. Tipps zum Lernen vor Tests finden Sie in unserem Beitrag Klassenarbeiten vorbereiten: Lernstrategien, die wirklich wirken.

Handschrift und Schreibschrift: noch zeitgemäß?

Eng mit dem Lesenlernen verbunden ist das Schreiben mit der Hand. Eine kleine, aber häufig zitierte Studie von James und Engelhardt (2012) mit 15 Vorschulkindern zeigte: Nachdem die Kinder Buchstaben frei von Hand geschrieben hatten, reagierten beim Betrachten von Buchstaben Hirnareale stärker, die beim Lesen eine wichtige Rolle spielen – nach dem Abtippen oder Nachspuren war das nicht der Fall. Solche Befunde sprechen dafür, dass das Schreiben mit der Hand gerade in der Phase des Lesenlernens hilft, Buchstaben zu verankern. Die Stichprobe war allerdings sehr klein; Tastaturschreiben ist deshalb nicht „schlecht“, sondern eine zusätzliche Fähigkeit, die Kinder später ebenfalls brauchen.

Etwas anderes ist die Frage nach der verbundenen Schreibschrift. Hier ist die Forschungslage weniger eindeutig: Entscheidend für den Schulerfolg ist vor allem, dass Kinder flüssig und gut lesbar schreiben. So formulieren es auch die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz; deren Leitlinien von 2024 legen keine bestimmte Schrift fest. Die Bundesländer gehen unterschiedlich damit um – Bayern erprobt etwa seit 2025/26 einen Weg ohne verpflichtende Schreibschrift, Hessen hält an ihr fest.

Im Saarland lernen Kinder zunächst die Druckschrift. Der saarländische Kernlehrplan Deutsch für die Grundschule sieht als verbundene Schrift die Schulausgangsschrift vor; die sogenannte Grundschrift ist dort bislang nicht verbindlich verankert. Welche Schrift wann eingeführt wird, erfahren Sie am verlässlichsten bei der Klassenlehrkraft. Für zu Hause gilt unabhängig von der Schriftart: lieber regelmäßig kurz von Hand schreiben – eine Einkaufsliste, eine Postkarte, ein Satz ins Lesetagebuch – als selten lange üben.

Auf einen Blick

  • Laut IGLU 2021 liest rund ein Viertel der Viertklässler nicht sicher genug, um mit Texten zu lernen.
  • Regelmäßiges Vorlesen und wiederholtes Lautlesen gehören zu den wirksamsten Hilfen zu Hause.
  • Sachtexte werden auf Papier im Schnitt etwas besser verstanden als am Bildschirm.
  • Von Hand schreiben unterstützt das Buchstabenlernen; wichtiger als die Schriftart ist eine flüssige, lesbare Handschrift.
  • Bibliotheksausweise sind für Kinder oft kostenlos – etwa in der Stadtbibliothek Saarbrücken.

Praktische Tipps nach Alter

AlterWas hilft
1–3 JahreBilderbücher gemeinsam anschauen, Dinge benennen, Reime und Fingerspiele. Wiederholungen sind ausdrücklich erwünscht.
4–6 JahreTägliches Vorlesen, über die Geschichte sprechen („Was glaubst du, passiert jetzt?“), Buchstaben im Alltag entdecken, erste Buchstaben frei von Hand malen.
Klasse 1–2Weiter vorlesen, dazu kurze Erstlesetexte im Wechsel lesen. Lob für Mühe, nicht nur für Tempo.
Klasse 3–4Wiederholtes Lautlesen kurzer Texte, Sachbücher zu Lieblingsthemen, Comics und Zeitschriften zählen auch. Gemeinsam die Bücherei besuchen.
Klasse 5–7Selbst gewählte Lektüre zulassen, über Gelesenes ins Gespräch kommen, bei Sachtexten das Markieren und Zusammenfassen üben.
Ab Klasse 8Längere Texte, Zeitungsartikel, Hörbuch plus Buch kombinieren. Vorbild sein: Jugendliche lesen eher, wenn Erwachsene sichtbar lesen.

Die Bücherei als Verbündete

Nicht jede Familie hat Platz und Geld für ein volles Bücherregal – das muss sie auch nicht. In der Stadtbibliothek Saarbrücken etwa ist die Bibliothekskarte für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenlos; nötig sind ein Anmeldeformular mit Unterschrift eines Elternteils und dessen Ausweis. Viele saarländische Stadtbibliotheken bieten außerdem über die onleiheSaar E-Books und Hörbücher zum Ausleihen an, inzwischen auch per kostenloser App. Fragen Sie in Ihrer Bücherei vor Ort – ob in Saarlouis, Homburg, Neunkirchen, Merzig oder St. Wendel – nach Kinderausweis, Leseclubs und digitalen Angeboten.

Wann zusätzliche Unterstützung sinnvoll ist

Manche Kinder lesen auch mit viel Zuwendung zu Hause noch sehr stockend, vermeiden Texte oder verstehen kaum, was sie gerade gelesen haben. Dann lohnt zuerst ein Gespräch mit der Lehrkraft. Bei anhaltenden Schwierigkeiten kann eine fachliche Abklärung sinnvoll sein, zum Beispiel bei Verdacht auf eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Ergänzend kann gezielte Förderung im Eins-zu-eins-Format helfen, Lesetechnik und Textverständnis Schritt für Schritt aufzubauen – etwa im Rahmen einer Deutsch-Nachhilfe im Saarland.

Fazit

Lesen macht auch heute noch schlau – vielleicht mehr denn je, weil fast alles schulische Lernen über Texte läuft. Die aktuellen Studien zeigen deutlich, dass viele Kinder hier Unterstützung brauchen. Die gute Nachricht: Die wirksamsten Hilfen sind einfach und kosten wenig. Regelmäßig vorlesen, gemeinsam laut lesen, Sachtexte bewusst auf Papier lesen, von Hand schreiben und die Bücherei nutzen – wer das in kleinen, verlässlichen Portionen in den Familienalltag einbaut, legt ein starkes Fundament. Und wenn Ihr Kind trotzdem mehr braucht, finden Sie bei Nachhilfe im Saarland Unterstützung durch eine feste Lehrkraft.

Ihr Kind braucht Unterstützung?

Eine feste Lehrkraft, die geduldig erklärt – online oder bei Ihnen zu Hause, im ganzen Saarland.

Benjamin Schmitt
Benjamin Schmitt – Leiter von AHA! Nachhilfe Saarland

Benjamin Schmitt leitet AHA! Nachhilfe Saarland und unterrichtet selbst – unter anderem eine Montessori-Lerngruppe in Saarlouis. Er schreibt darüber, wie Kinder gern und erfolgreich lernen und wie Eltern sie dabei gut begleiten.

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