Abitur & Oberstufe

Abi – was dann? Studium, Ausbildung oder Orientierung im Saarland

Abi – was dann? Studium, duales Studium, Ausbildung oder Gap Year: Wege, Fristen und Beratung im Saarland sowie Hilfe bei Studienzweifeln – kompakt.

Von Benjamin Schmitt · 16. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Das Abiturzeugnis ist in der Hand – und plötzlich steht eine Frage im Raum, die größer wirkt als jede Prüfung: Abi, was dann? Studium, duales Studium, Ausbildung, ein Freiwilligendienst oder erst einmal ein Jahr im Ausland? Viele Jugendliche im Saarland spüren in dieser Phase Druck, sich „richtig“ entscheiden zu müssen, und viele Eltern fragen sich, wie viel sie mitreden sollen. Dieser Ratgeber richtet sich an beide: Er zeigt, welche Wege es nach dem Abitur gibt, wo Sie im Saarland verlässliche Beratung finden, welche Fristen wichtig sind und was es bedeutet, wenn ein Studium nicht passt.

Auf einen Blick

  • Nach dem Abitur stehen viele Wege offen: Studium, duales Studium, Ausbildung, Freiwilligendienst (FSJ, FÖJ, BFD) oder ein Auslandsjahr.
  • Kostenlose Beratung bieten die Berufsberatung der Agentur für Arbeit sowie die Studienberatungen der Universität des Saarlandes und der htw saar.
  • Für zulassungsbeschränkte Studiengänge endet die Bewerbung zum Wintersemester häufig am 15. Juli; bei Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie gelten für Altabiturienten frühere Fristen.
  • Rund 28 Prozent der Bachelorstudierenden verlassen die Hochschule ohne Abschluss – die meisten finden danach gut in Ausbildung oder Beruf.
  • Eltern helfen am meisten, wenn sie Fragen stellen, statt Antworten vorzugeben.

Nach dem Abitur: Welche Wege gibt es?

Das Abitur ist die allgemeine Hochschulreife – es öffnet also alle Studiengänge, aber ebenso jede Berufsausbildung. Kein Weg ist von vornherein der „bessere“. Entscheidend ist, was zu den Interessen, Stärken und Lebensplänen des jungen Menschen passt.

Studium an Universität oder Hochschule

Ein Universitätsstudium ist stärker theoretisch und wissenschaftlich ausgerichtet, ein Studium an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (früher Fachhochschule) ist praxisnäher und häufig straffer organisiert. Im Saarland sind das vor allem die Universität des Saarlandes mit Standorten in Saarbrücken und Homburg und die htw saar in Saarbrücken. Ein Studium verlangt viel Selbstorganisation: Niemand kontrolliert, ob Vorlesungen nachbereitet werden. Wer das weiß, kann sich gezielt darauf einstellen.

Duales Studium

Beim dualen Studium wechseln sich Theoriephasen an einer Hochschule oder Berufsakademie mit Praxisphasen in einem Partnerunternehmen ab. Meist gibt es von Anfang an eine Vergütung. Im Saarland bietet zum Beispiel die ASW Berufsakademie in Neunkirchen, eine wissenschaftliche Einrichtung der htw saar, duale Bachelorstudiengänge etwa in Betriebswirtschaft, Maschinenbau, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen an. Wichtig: Bewerben müssen sich Interessierte in der Regel zuerst bei einem Unternehmen – und das oft schon ein Jahr im Voraus.

Berufsausbildung

Eine Ausbildung ist für Abiturientinnen und Abiturienten keine „zweite Wahl“. Sie verbindet Lernen im Betrieb und in der Berufsschule, bringt eigenes Geld und einen anerkannten Abschluss. Mit Abitur lässt sich die Ausbildungszeit häufig verkürzen. Gerade wer gern praktisch arbeitet und schnell Verantwortung übernehmen möchte, ist hier oft gut aufgehoben – und ein Studium bleibt später weiterhin möglich.

Freiwilligendienst: FSJ, FÖJ oder BFD

Im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) oder im Bundesfreiwilligendienst (BFD) engagieren sich junge Menschen zum Beispiel in Kitas, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, im Naturschutz, in Sport oder Kultur. Der Bundesfreiwilligendienst dauert in der Regel zwölf Monate, mindestens sechs und höchstens 18 Monate. Es gibt ein Taschengeld, begleitende Seminartage und vor allem eines: Zeit, die eigenen Stärken im Alltag kennenzulernen.

Auslandsjahr

Work and Travel, Au-pair oder ein internationaler Freiwilligendienst – ein Jahr im Ausland stärkt Sprachkenntnisse und Selbstständigkeit. Damit es mehr ist als eine verlängerte Pause, lohnt es sich, vorher zu überlegen: Was möchte ich in dieser Zeit lernen oder herausfinden? Und wann muss ich mich für die Zeit danach bewerben? Viele Bewerbungsfristen laufen, während man noch im Ausland ist.

Orientierung finden: Beratung im Saarland

Niemand muss diese Entscheidung allein treffen. Im Saarland gibt es mehrere kostenlose, unabhängige Anlaufstellen, die sich gut ergänzen.

Berufsberatung der Agentur für Arbeit

Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit im Saarland berät zu Ausbildung und Studienwahl, hilft beim Klären von Fähigkeiten und Interessen und unterstützt bei Bewerbungen. Gespräche sind persönlich, telefonisch oder per Video möglich. Auch Eltern können einen Termin vereinbaren. Ergänzend gibt es Online-Angebote wie den Studienwahltest und das Portal meinBERUF, das seit September 2025 die früheren Seiten abi.de und planet-beruf.de ersetzt. Im Regionalverband Saarbrücken ist die Jugendberufsagentur in der Bleichstraße eine zentrale Anlaufstelle für junge Menschen bis 25 Jahre.

Studienberatung an der Universität des Saarlandes

Die Zentrale Studienberatung der Universität des Saarlandes bietet Einzelgespräche an – ausdrücklich auch für alle, die noch gar nicht wissen, welches Fach es werden soll. Dazu kommen Formate zum Ausprobieren:

  • Schnupperstudium: echte Vorlesungen in verschiedenen Studiengängen besuchen.
  • Student for one day: einen Tag gemeinsam mit Studierenden auf dem Campus verbringen.
  • Starterstudium: ein ganzes Semester als Gast am Uni-Leben teilnehmen.
  • Dein Weg ins Studium: eine Vortragsreihe zu Themen rund ums Studium.

Studienberatung an der htw saar

Die Allgemeine Studienberatung der htw saar hilft bei der Entscheidung vor dem Studium, bei Fragen zu Bewerbung, Zulassung und Finanzierung sowie bei Fachwechsel und Neuorientierung. Neben vertraulichen Einzelgesprächen gibt es eine offene Sprechstunde ohne Termin auf dem Campus Alt-Saarbrücken. Außerdem bietet die htw saar Schnuppervorlesungen, ein Juniorstudium, ein Mentoring für Schülerinnen und Schüler sowie eine Online-Studienorientierung an.

Ein Tipp aus pädagogischer Sicht: Ein Probetag im Hörsaal oder ein Praktikum sagt oft mehr als jeder Test. Wer erlebt, wie sich ein Fach im Alltag anfühlt, entscheidet sicherer.

Fristen im Blick: Bewerbung und Hochschulstart

Viele gute Pläne scheitern nicht an der Eignung, sondern an verpassten Terminen. Einige Grundregeln helfen bei der Planung – die genauen Daten sollten Sie aber immer auf den Seiten der jeweiligen Hochschule und auf hochschulstart.de prüfen, denn sie können sich ändern.

  • Zulassungsfreie Studiengänge: Hier ist oft keine Bewerbung nötig, sondern nur eine Einschreibung. An der Universität des Saarlandes ist das zum Wintersemester in der Regel bis Ende September möglich.
  • Örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge (NC): Für das Wintersemester ist der 15. Juli ein häufiger Bewerbungsschluss. Viele Hochschulen koordinieren diese Bewerbungen über das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) von hochschulstart.de; dafür ist eine Registrierung dort nötig.
  • Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie: Diese Fächer laufen über das zentrale Verfahren bei hochschulstart.de. Wer das Abitur schon vor dem laufenden Jahr erworben hat (Altabiturienten), muss sich zum Wintersemester bereits bis zum 31. Mai bewerben; für Neuabiturienten gilt der 15. Juli.
  • Duales Studium und Ausbildung: Große Betriebe besetzen ihre Plätze oft schon ein Jahr vor Beginn. Wer ein duales Studium oder eine Ausbildung im Anschluss an das Abitur plant, sollte sich idealerweise schon in der Oberstufe bewerben.

Ein Gap Year ist deshalb kein Hindernis – es braucht nur einen Kalender. Wer im Freiwilligendienst oder im Ausland ist, kann sich trotzdem fristgerecht für das Folgejahr bewerben.

Studienabbruch: Scheitern oder Chance?

Nicht jede erste Entscheidung trägt. Nach einer Berechnung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) brechen rund 28 Prozent der deutschen Bachelorstudierenden ihr Studium ab – an Universitäten sind es 35 Prozent, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften 20 Prozent. Gemeint sind Studierende, die das Hochschulsystem ohne Abschluss verlassen; wer nur das Fach oder die Hochschule wechselt, zählt nicht dazu.

Warum brechen junge Menschen ab? Eine frühere DZHW-Befragung nennt als häufigste Gründe nicht bewältigte Leistungsanforderungen, fehlende Studienmotivation und den Wunsch nach mehr Praxis. Fast die Hälfte der Abbrüche erfolgt in den ersten beiden Semestern. Und die Wege danach sind meist gut: Ein halbes Jahr nach dem Abbruch hatten 43 Prozent eine Berufsausbildung begonnen, 31 Prozent waren erwerbstätig.

Ein Studienabbruch ist also kein Endpunkt, sondern oft eine Korrektur. Was im Studium gelernt wurde, geht nicht verloren – es fließt in den nächsten Schritt ein. Wer zweifelt, sollte nicht zu lange allein grübeln. Im Saarland helfen:

  • die Studienberatungen der Universität des Saarlandes und der htw saar, auch bei Fachwechsel und Neuorientierung,
  • die Qualifizierungsberaterinnen und -berater von IHK Saarland und Handwerkskammer des Saarlandes, die gezielt Menschen beraten, die über einen Studienausstieg nachdenken,
  • die Berufsberatung der Agentur für Arbeit.

Eine ehrliche Frage hilft beim Sortieren: Passt das Fach nicht, passt die Art des Lernens nicht – oder fehlen Grundlagen, die sich aufholen lassen? Im zweiten Fall lohnt es sich, gezielt an diesen Grundlagen zu arbeiten, bevor man das ganze Vorhaben infrage stellt.

Die Rolle der Eltern: begleiten statt entscheiden

Eltern sind für viele Jugendliche die wichtigsten Gesprächspartner bei der Berufswahl – auch wenn es nicht immer so wirkt. Gleichzeitig ist es eine Gratwanderung: Zu viel Lenkung erzeugt Widerstand oder führt zu Entscheidungen, die eigentlich die Wünsche der Eltern sind. Zu wenig Interesse wird schnell als Gleichgültigkeit erlebt.

Was in der Praxis hilft:

  • Fragen statt Antworten: „Was hat dir in der Schule wirklich Spaß gemacht?“ oder „Bei welchen Aufgaben vergisst du die Zeit?“ öffnen mehr als „Du könntest doch Lehrer werden.“
  • Erfahrungen ermöglichen: Praktika, Ferienjobs, ein Schnupperstudium oder ein Gespräch mit Bekannten aus einem Berufsfeld sind wertvoller als lange Diskussionen am Küchentisch.
  • Fristen gemeinsam im Blick behalten: Ein gemeinsamer Kalender mit Bewerbungsterminen entlastet – ohne dass Sie die Bewerbungen selbst schreiben.
  • Umwege zulassen: Ein Orientierungsjahr, ein Fachwechsel oder ein Abbruch sind keine verlorene Zeit, wenn daraus eine bewusstere Entscheidung entsteht.
  • Beratung gemeinsam nutzen: Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit steht ausdrücklich auch Eltern offen. Ein gemeinsames erstes Gespräch kann sinnvoll sein – die Entscheidung bleibt aber beim jungen Menschen.

Fazit

Auf die Frage „Abi – was dann?“ gibt es keine allgemeingültige Antwort, aber gute Wege, sie zu finden. Studium, duales Studium, Ausbildung, Freiwilligendienst und Auslandsjahr haben jeweils ihre Stärken. Wer früh ausprobiert, Beratung nutzt und die Fristen kennt, entscheidet gelassener. Im Saarland stehen dafür die Berufsberatung der Agentur für Arbeit sowie die Studienberatungen der Universität des Saarlandes und der htw saar kostenlos zur Verfügung. Und wenn sich ein Weg als falsch herausstellt, ist das kein Scheitern, sondern eine Erfahrung, auf der sich aufbauen lässt.

Wenn der Wunsch nach einem bestimmten Studium oder einer Ausbildung an fachlichen Lücken hängt – etwa in Mathe vor einem technischen oder wirtschaftlichen Fach –, kann gezielte Unterstützung helfen. Als Nachhilfeinstitut begleiten wir Schülerinnen und Schüler in Saarbrücken, Saarlouis, Homburg und im ganzen Land. Mehr dazu finden Sie unter Mathe-Nachhilfe im Saarland und auf unserer Startseite Nachhilfe im Saarland.

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Benjamin Schmitt
Benjamin Schmitt – Leiter von AHA! Nachhilfe Saarland

Benjamin Schmitt leitet AHA! Nachhilfe Saarland und unterrichtet selbst – unter anderem eine Montessori-Lerngruppe in Saarlouis. Er schreibt darüber, wie Kinder gern und erfolgreich lernen und wie Eltern sie dabei gut begleiten.

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